15 Jahre.
So lange arbeite ich jetzt schon mit der DA VINCI 3000 GmbH / Values Academy zusammen. Im Hintergrund. Organisation, Finanzen, Kommunikation – das ist mein Ding, nicht die Bühne.
Ich habe unsere Bücher Korrektur gelesen. Alle.
Ich habe das Wertespiel nicht entwickelt – aber ich habe es getestet. Immer und immer wieder. Und im Übrigen für sehr gut befunden.
Ich organisiere unsere Werte-Workshops und die Ausbildung zum Werte-Coach.

Judith Lindemann
Und trotzdem: Ich saß selbst nie in einem dieser Workshops. Ich habe die Coach-Ausbildung nie gemacht. Man könnte meinen, dann sei bei mir vom Thema Werte nicht viel hängengeblieben. Nope.
Denn eins habe ich in all den Jahren am Rand des Geschehens ziemlich unmissverständlich mitgenommen: Es reicht nicht, die eigenen Werte zu kennen.
Man muss auch wissen, was die Werte der anderen im Team bedeuten. Nicht nur, welches Wort sie nennen – sondern was dahintersteckt.
Ein Wort, viele Wahrheiten
Beim Wertespiel erlebe ich das immer wieder. Menschen sitzen zusammen, nennen scheinbar dieselben Werte – und meinen etwas völlig anderes damit. Spannend. Jeeedes Mal.
(Kleiner Tipp: unbedingt Spiel kaufen und spielen, seeehr wertvoll! 😉
Gerade eben, in einem neuen Projekt, ist mir das wieder passiert. Ich habe die Kolleg:innen gefragt, welchen Wert sie mitbringen möchten. Welchen Wert sie sich für die Zusammenarbeit wünschen.
Auffällig oft fiel ein Wort: Klarheit.
Klingt erstmal einfach. Alle wollen Klarheit. Passt. Haken dran.
Nur: Als ich genauer hingehört habe, was die einzelnen Personen damit meinten, wurde daraus ein ziemlich bunter Strauß:
- Klare Kommunikation
- Komplexe Dinge auf den Punkt bringen und den Fokus halten können
- Filtern, was wirklich wichtig ist
- Ein klarer Erwartungshorizont und klar definierte Arbeitspakete
- Dinge essenziell auf den Punkt bringen
Fünf Mal „Klarheit“. Fünf verschiedene Bilder im Kopf.
Und genau hier liegt für mich der Punkt: Hätten wir uns bei diesem einen Wort begnügt – wir wären alle zufrieden gewesen. Auf dem Papier. Im Alltag hätte es vermutlich geknirscht. Weil der eine unter Klarheit versteht, dass Arbeitspakete sauber geschnürt sind. Und die andere darunter versteht, dass man in fünf Minuten den Kern eines Problems trifft.
Beides richtig. Beides Klarheit. Und trotzdem zwei Paar Schuhe.
Warum das wichtig ist
Ich bin keine Werte-Coach. Ich habe nie eine Ausbildung dazu gemacht. Aber ich habe verstanden, worum es geht, wenn man Werte-Arbeit ernst nimmt:
Nicht das Wort zählt. Die Bedeutung zählt. Und die kommt erst zum Vorschein, wenn man darüber spricht. Wenn man nachfragt: Was meinst du eigentlich genau damit? Wo braucht es dieses „Klarheit“ bei dir am dringendsten? Das kostet Zeit. Das fühlt sich manchmal umständlich an, wo man doch eigentlich einfach loslegen will. Aber es lohnt sich. Weil man an den richtigen Stellschrauben dreht, statt aneinander vorbeizureden. Weil man merkt, wo man sich eigentlich schon einig ist – und wo eben noch nicht.
Ich sitze im Hintergrund, ich organisiere die Werte-Arbeit anderer. Und trotzdem hat sich bei mir festgesetzt: Die eigenen Werte zu kennen ist der erste Schritt. Miteinander darüber zu sprechen, was sie wirklich bedeuten, ist der Schritt, der Teams wirklich zusammenbringt.